Okt 10

Das Judentum ist in Europa immer wieder systematisch verfolgt und ausgegrenzt worden. Trotzdem, oder gerade deswegen, hat sich eine eigene Kultur und Sprache entwickelt die wiederrum immer wieder Einfluss auf ihre Umgebung gehabt hat. Es folgt eine Liste mit meinen Lieblingswörtern, die aus dem hebräischen/jiddischen Sprachgebrauch stammen:

1. Heiraten – kaum noch aus dem Deutschen wegzudenken ist dieses jüdische Wort. Ursprünglich sagte man in Deutschland „Hochzeit halten“, was aber doch umständlicher ist und mittlerweile antiquiert wirkt.

2. Schnorrer – im Judentum galt es sich um die ganze Mischpoche zu kümmern; das heißt um die ganze teilweise sehr weitläufige Verwandtschaft. Kam man zu Geld erschienen kurz darauf die entferntesten Vettern oder über drei Ecken verwandte Schwippschwägerinnen um sich bei einem durchzuschnorren.

3. Zocken/Zocker – sich etwas „zocken“, jemanden oder etwas „abzocken“ sind Wendung aus dem Rotwelschen, einer Gaunersprache, auf die das Jiddische Einfluss hatte, da Juden sich im Mittelalter durch von den Christen verhängte Berufsverbote oft als Wucherer, Hehler oder sogar als Diebe durchschlagen mussten.

4. Schmock – wird für einen aufgelassenen oder arroganten Menschen verwendet. Dass es sich um ein sehr abfälliges Wort handelt hört man an Ähnlichkeiten zu Worten wie „Schmo“, das im Jiddischen so viel wie Idiot bedeutet.

5. Hier zieht’s wie Hechtsuppe – ist wahrscheinlich missverständlich oder veralbernd wiedergegeben, im Jiddischen bedeutet nämlich hech soppa „starker Wind“; nichtsdestotrotz hat es sich als deutsches Sprichwort etabliert.

6. Schickse – wird heute meist für junge Frauen verwendet, die sich übertrieben aufhübschen. Im ursprünglichen Sinne konnte dieses abfällige Wort für jede Christin verwendet werden, denn es bedeutet auf Hebräisch „unrein“.

7. Tinnef – dieses Wort bezeichnet „Kleinkram“, „Tand“ oder „Trödel“ in der Ruhrgebietssprache auch „Unsinn“ (mach keinen Tinnef). Es stammt aus dem Westjüdischen und kam über das Rotwelsche ins Deutsche. Die ursprüngliche Bedeutung war „Dreck“, „Schmutz“ oder sogar „Kot“.

8. Kotzen – wie konnte man auch ohne dieses Wort auskommen? Auch das Wort „großkotzig“ geht auf das Judentum zurück obwohl sich die beiden Wörter aus unterschiedlichen etymologischen Quellen ableiten.

9. Schleppsack – dieses jiddische Wort bezeichnet einen Menschen der sehr unselbständig ist und von seinen Verwandten mit durchgefüttert und bei der Arbeit angetrieben werden muss.

10. Jauchefez – übersetzt bedeutet es wohl so viel wie „Nichtsnutz“, „Faulpelz“ oder sogar „Bösewicht“. Es bezeichnet einen Menschen, der teilweise wider besseren Willen nicht gehorcht und einfach nichts Anständiges hinbekommt.

Da es noch viele weitere herrliche Vokabeln wie „mies“, „meschugge“, „schachern“ oder „mauscheln“ gibt empfehle ich auf Wikipedia die Liste deutscher Wörter aus dem Hebräischen zu konsultieren, das Ma’assebuch zu lesen oder sich das Buch Zocker Zoff & Zores – Jiddische Wörter im Deutschen anzuschaffen.

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