Nov 01

Zombie-Diät

Auf seine 15 Minuten bereitete Erik sich gründlich vor. Er aß weniger als die Hälfte und manchmal sogar nur davon die Hälfte. Er verzichtete auf Schlaf und widmete sich dem Nachtprogramm der Privatsender. Duschen kam auch nicht mehr in Frage, sonst hätte er nie die erforderlichen Fliegen anlocken können.
Er studierte über Wochen hinweg ältere Herrschaften an ihren Rollatoren oder Gehhilfen, um den langsamen Gang zu perfektionieren. Dazu schlenderte er immerzu durch Supermärkte und Wartezimmer, bis jemand misstrauisch wurde und die Polizei rief. Außerdem übte er eine schwammige Aussprache, indem er sich mit einer nassen Socke behalf, die er sich in den Mund steckte. Wörter wie „Telekommunikationselektronikerausbildungsvergütung“ wurden zur Qual.
Erik freut sich sehr auf seine kleine Komparsenrolle in irgendeinen weiteren Zombiestreifen aus Hollywood, der bis dato keinen Titel hat. Vielleicht „Ein Zombie schlurft selten allein“, „Hobbits vs. Zombies“ oder „Zombie Gump“. Wie auch immer, Erik fühlt sich endlich von seiner Umwelt beachtet und er freut sich, wenn Passanten über ihn tuscheln. Schliesslich ist er bald ein Filmstar. Seine Freunde und vor allem seine Mutter erkennen ihn jedoch kaum wieder.
Aber das ist wohl der Preis des Ruhms.

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