Dez 06

Eigentlich bin ich unschuldig. Woher sollte ich auch ahnen, was mein Plan anrichten würde? Doch fangen wir vorne an.
Ich hatte die Nase voll und wollte endlich wissen, wer hinter dem Weihnachtsmann steckt. Bevor ich mein erstes Smartphone erhalten sollte, musste ich einfach das Geheimnis lüften. Mir war schon seit längerem klar, dass es total unlogisch ist, dass der Weihnachtsmann per Schlitten (!), der von Rentieren (!!) gezogen werden soll, die gesamte Welt (!!!) mit Geschenken versorgt. Vor allem … alles in einer Nacht. Extrem unrealistisch, wenn man bedenkt, dass ich bereits per Rad zu meiner Lieblingseisdiele mindestens 15 Minuten brauche. Ich glaube kaum, dass Rentiere das ändern würden. So was können sie den Blagen erzählen.
Oder nehmen wir mal diese unendliche Freundlichkeit! Auch ein Weihnachtsmann muss doch mal ausrasten. Zum Beispiel, weil ein Rentier falsch abbiegt oder ein Kamin zu verwinkelt ist. Nein, stattdessen würde der sogar mit gebrochenen Beinen durch den Kamin rutschen und sagen „Ho ho ho, ich bin der Weihnachtsmann. Warst Du auch artig, lieber Peter?“ … Wtf!
Das stank bis zum Himmel. Ich musste herausfinden, was es mit dem Freak auf sich hat. Außerdem hat er mir letztes Jahr ein total blödes Puzzle geschenkt. Das schrie nach Rache.
Mein Plan war folgender: Ich weiß, dass der Weihnachtsmann immer eine rote Nase hat. Aus diversen Galileo-Folgen lernte ich, dass es nur am massiven Alkoholkonsum liegen kann. Also stellte ich in der Nacht zu Heilig Abend eine Flasche Cognac der feinsten Sorte aus der ach-so-geheimen Minibar meines Vater auf den Gabentisch. In die Flasche packte ich einige Schlaftabletten meiner Mutter. Die braucht die manchmal, weil Papa, Zitat, so „schnarchen würde, wie andere furzen“. Ich ging nun davon aus, dass der Weihnachtsmann nach Abladen der (hoffentlich teuren) Geschenke die Flasche sehen würde und sich direkt einen herzhaften Schluck genehmigt … einen für den Weg quasi. Dann schleiche ich mich nachts heimlich an ihn ran und kontrolliere sein Handy oder so. Da findet man definitiv mehr heraus, als wenn ich ihn z.B. foltern würde. Dieser geniale Plan würde alles aufdecken! Ich würde sein Logistiksystem durchschauen und meinen eigenen Weihnachtsmannservice gründen können! Meine Zukunft wäre, trotz der gegenwärtigen miesen Ausbildungssituation, in Deutschland gesichert! Mama und Papa wären stolz auf mich und würden mir meinen Erstwagen finanzieren und mich nicht direkt mit 18 rauswerfen. Ja, das war der Plan. Und was soll ich sagen? Der Plan ging auf.
Leider steckte mein Vater unter der vermeintlichen „Maskerade“. Was für eine Enttäuschung. Er war noch nicht mal großartig verkleidet, aber er hatte schon die Geschenke auf den Tisch gestellt – und natürlich die Flasche nicht ignorieren können. Da lag er nun, total weggetreten, aber wenigstens schnarchte er nicht. Dennoch will meine Mutter nun die Scheidung einreichen, weil sein Alkoholkonsum alarmierend wirkt. „Das Fest der Liebe kannst Du wohl nur besoffen ertragen!“ schrie sie hysterisch, und ich überlegte, ihr vielleicht heimlich Beruhigungstabletten in den weihnachtlichen Kartoffelsalat zu geben.
Der Schuß ging also nach hinten los. Doch möchte ich an dieser Stelle gerne mitteilen, was ich daraus lernte. Quasi eine klassische Moral, wie im Märchen: Lasst Magie bezaubern. Du musst nicht alles wissen, aber Du darfst alles essen.

Eine Antwort zu “Wie der Weihnachtsmann mich zum Scheidungskind machte”

  1. sprachvehler sagt:

    Selten so gut amüsiert 🙂
    Bitte weiter so!
    Dankeschön 😀

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