Jun 10

Vorübergehend nicht erreichbar

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Postkarte. Es war kein Absender vermerkt und als Motiv war der Stadtpark von Wanne-Eickel zu sehen. Der Text auf der Rückseite war eindeutig. Jemand hatte „Flüchte, ehe es zu spät ist!“ in hastigen Buchstaben drauf geschmiert. Meine Adresse hingegen fein säuberlich daneben.
Ich hatte keine Ahnung, was man mir damit sagen wollte.

Das muss ein dummer Scherz sein, dachte ich mir und legte die Karte beiseite, um sie zu vergessen. Der Alltag half dabei, obwohl ich anfangs natürlich überlegte, wer dahinter stecken könnte. Und vor allem … Warum? Ein paar Nachfragen im Umfeld brachten keine zufriedenstellende Antwort. Keiner wollte mir geschrieben haben. Keiner war je in Wanne-Eickel. Warum auch?

Vor zwei Wochen fischte ich erneut eine Karte in meinem Briefkasten. Das Motiv war ein anderes, jedoch der Text auf der Rückseite unverändert. „Flüchte, ehe es zu spät ist!“
Dieses Mal war der Heldenplatz in Budapest als Motiv zu sehen. Das wurde immer verworrener. Weiterlesen »

Jun 09

Cuki hätte besser nach rechts und links sehen sollen...

Ich bemerkte, dass etwas mit Cuki nicht stimmen konnte. Er hat seine nigelnagelneue Hirsestange immer noch nicht angerührt. Außerdem lagen ungewöhnlich viele Federn zwischen all den Kotkrümeln verstreut auf dem Käfigboden. Da stimmte etwas ganz gewaltig nicht. Cuki ist übrigens mein Wellensittich und ich glaube, er hat Depressionen.

Verdächtig war sein Verhalten ja schon immer. Wie oft habe ich ihn in der Mikrowelle erwischt. Oder im Backofen. Er erhoffte sich wohl, dass ich ihn schlaftrunken übersehe und mir was Essbares via Mikrowelle oder Ofen zubereite. Da musste ich ordentlich mit ihm schimpfen, denn die Sauerei möchte niemand saubermachen. Oder das eine Mal, wo er es in den Kühlschrank schaffte. Hätte ich mir nicht an jenem Abend im Halbe-Stunden-Takt ein Bier raus geholt, wäre Cuki wohl als Eiszapfen geendet.
Überhaupt gelang es ihm stets aufs Neue in die unterschiedlichsten Haushaltsgeräte zu gelangen, nur um seinem Vogelleben ein Ende zu setzen. Er wollte getoastet werden; gemixt, geschleudert, gepresst, gebraten, frittiert, gespült, gedrechselt und einmal lungerte er sogar im Waffeleisen rum. Zum Glück benutze ich viele Geräte davon kaum, so dass er sich oft frustriert wieder in den Käfig begab.

An sommerlichen Tagen war es schon schwieriger. Da ließ ich schon mal das eine oder andere Fenster auf und er flog direkt raus auf die kleine Landstraße vor unserer Haustüre. Zum Glück fährt da so gut nie jemand lang; dennoch platzierte sich Cuki lauernd auf der Fahrbahn. Seltsam wirkte nur: Er machte das immer in meinem Blickfeld. Als ob ich unbedingt miterleben sollte, wie er stirbt. Wollte er mir ein schlechtes Gewissen bescheren? Dass ich mich nicht genug um ihn kümmere? Daher seine Depressionen? Weiterlesen »

Jun 08

Testosterongesteuerte Unwissenheit

Frauen.
Manchmal reicht das Wort an sich. Man braucht gar keine ellenlangen Erklärungen suchen, muss sich nichts aus den Fingern saugen. Manchmal genügt einfach ein in den Raum geworfenes oder leise genuscheltes „Frauen“.
So was kann nur von einem Mann kommen. Genau wie dieser Text. Das Dumme am Thema ist nur Ich habe gar keine Ahnung von Frauen.

Stimmen die Klischees? Ich will Mario Barth und den Privatsendern nicht glauben. Auch Feuchtgebiete und Pornorap kann und will ich nicht ernst nehmen. Til Schweiger und Girliemagazine haben gewiss auch keine Ahnung. Also wie soll man es erfassen? Die Frau – das unbekannte Wesen.

Bei meinen Recherchen im Internet stieß ich auf interessante Fakten. Zum Beispiel, dass Frauen sich zuerst oben rum entkleiden und dann erst die Hose oder den Rock. Männer machen es umgekehrt. Ein spontaner Selbstversuch bestätigte die Annahme.

Des weiteren fand ich nur die üblichen Vorurteile. Weiterlesen »

Jun 07

Sommernächte können aufreibend bzw. aufwühlend sein. Man will sich auf’s Ohr hauen und schlägt sich stattdessen die ganze Nacht um die Ohren. Zum Glück erging es mir gestern ein wenig anders und konnte sogar träumen. Besser noch: Ich kann mich sogar an Großteile des Traums erinnern.

Interessant ist auch das Vorgeplänkel, welches zum Traum geführt haben muss. Gestern unterhielt ich mich noch über eine eventuelle Notwendigkeit von Bewegung (in Fachkreisen auch Sport genannt), um den Ausklang der langen Winterdepression zu beschleunigen.

Mir wurde Laufen empfohlen, wobei ich mich direkt fragen musste: Laufen? Okay. Aber wohin?

Durch ein Waldstück, an einem Fluß vorbei. Sicherlich eine Möglichkeit, aber ich habe große Sorge, dass sich dort lauter Leute mit ähnlichen Problemen versammeln. Nachher wird man angesprochen mit den Worten: „Na? Sind sie sportlich unterwegs oder haben sie auch Depressionen?“

Lustig, dass mir mein Gedankengang zu akuten Depressionen direkt einen Traum bescherte: Weiterlesen »

Jun 06

Wollmäuse sind die Haustiere der Nation, wobei sie natürlich einen deutlich schlechteren Ruf genießen als beispielsweise Hunde, die sich jederzeit die eigenen Genitalien säubern können. Wollmäuse sind nicht selbstreinigend und wollen in den ungünstigsten Momenten Fangspiele durchsetzen, wenn man z.B. gerade mit einem Swiffer oder Staubsauger durch die Wohnung tigert.

Apropos Selbstreinigung. Wortverwandt zu den Wollmäusen ist das Gewölle, die auch als Speiballen bezeichnet werden. Gemeint sind damit unverdaute Nahrungsreste, die von Greif- und Jagdvögeln wieder hochgewürgt werden. Wahre Schätze, wenn man einschlägigen Adressen im Internet glauben möchte, denn dort kann man solche Mageninhalte sogar bestellen. Mit echten Knochen- und Federresten. Als Dekorationsobjekt, Türstopper, Lesezeichen oder wozu auch immer.
Doch warum man zum Teufel im Mittelalter glaubte, gar in unfassbar widerlichen Kröten derartig Kostbarkeiten rausfischen zu können, bleibt mir ein Rätsel.

Ich mag Kröten nicht. Für mich wirken sie wie matschige Brötchen, von regenwaldartigen Sinfluten weichgespülte Haufen, die gerne mal auf Wanderung gehen. Wenn ich mal einen zu euphorischen Moment habe, den ich irgendwie abbremsen möchte, schaue ich mir per Google-Bildersuche Fotos von Aga-Kröten an – danach bin ich bedient. Laut einem Spiegel Online Artikel hasst ganz Australien diese Ekelkröte, ich darf zitieren: Weiterlesen »

Mai 21

Bereits im Mittelalter war der Bader oder Bäder die wichtigste Person im kulturellen Leben. Er betrieb eine Badestube und da es zu dieser Zeit keine Badewannen oder Duschen in den Privathäusern gab, traf sich der ganze Ort zur Körperpflege bei ihm. Der Bader reichte Speisen und Getränke, unterhielt die Leute, wusch Haare, schnitt Nägel, fädelte geschickt die eine oder andere Ehe ein und behandelte ganz nebenbei noch allerlei Krankheiten. Kurzum: Die Badestube war der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft. Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt daran, dass viele auf den Status des Baders eifersüchtig waren.

Allen voran sind hier die Vorgänger der heutigen Ärzte zu nennen. Diese studierten Emporkömmlinge bildeten sich wer weiß was auf ihr theoretisches Wissen ein. Doch welcher Arzt stellt einem als Entschädigung für eine verpfuschte Operation denn schon die hübsche Bademagd für ein illustres TĂŞte-Ă -TĂŞte zur Verfügung? Genau, keiner. Die tun alle so, als ob sie nichts dafür könnten, wenn ihnen mal ein Patient wegstirbt. Das Tätigkeitsfeld des Arztes ist eben nicht von dem ehrbaren Beruf des Baders ableitbar. Vielmehr ist hier eine obskure Mischung aus den Pfründen des Henkers, des Scharlatans und des Schneiders zusammengewürfelt worden (wobei man bei letzterem eher von einem grobschlächtigen Zunäher sprechen muss, denn Weiterlesen »

Mai 12

Grotesk, kapriziös, skurril, schrullig, wunderlich oder verschroben?
Ungewohnt, seltsam, kurios, sonderbar, befremdlich, wohlmöglich abgehoben?
Eigen, kritisch, nonkonformistisch, schicksalhaft,  ausgefallen, fragwürdig,
bizarr, nebulös, exotisch, anonym? Auf jeden Fall merkwürdig!
Exzentrisch, komisch, kauzig,  fratzenhaft, vielleicht sogar unheimlich?
Das Kartoffelpüree meiner Mutter bleibt und ist – einfach unbeschreiblich…

Mai 10

Der Velociraptor war viel kleiner, als in Jurassic Park gezeigt und hatte obendrein Federn. Auch bei der Familie der Tyrannosauridae hat man mittlerweile Federn nachgewiesen. Das bedeutet im Klartext: Tyrannosaurus Rex war im Prinzip ein riesiges Hühnchen. Was wohl der Colonel von Kentucky Fried Chicken davon hält, wenn man ihm Hühnerschenkel in übermannslänge anbietet? Dollarzeichen gehen ihm in den Augen auf. Sofort ruft er Steven Spielberg an und erkundigt sich nach der Adresse der Schauspieler, die die Saurier in Jurassic Park geklont haben. Der Colonel zwingt sie nun wirklich die Gene von Dinos in Hühnereier zu spritzen. Nach einigen Monaten bekommt er einen Anruf. Der erste Tyrannosaurus Rex steht zum Schlachten bereit. Glückshormone durchströmen den Colonel, als er mit dem Hubschrauber zu der Insel fliegt, auf der seine neue Dinosaurierfarm steht. Er springt nach der Landung sofort aus dem Heli und rennt auf das 12 Meter große Huhn zu, das dort auf dem Boden herumscharrt und den Kopf keck in den Himmel reckt. Dann blickt das Tyrannohuhn auf ihn herab. Es pickt einmal nach ihm und der Colonel ist auf einen Schlag verschwunden.

Apr 23

Apr 18

Lieber Joseph,

Du hattest mal kühn behauptet, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Mit diesen Worten im Hinterkopf wirkt meine verdreckte Küche bei jedem Betreten wie eine realitätsnahe Installation, die auf der nächsten Documenta ihren triefenden Stammplatz finden könnte. Ich nenne sie selbstbewusst „Fettraum“, wobei das natürlich mehr als offensichtlich auf Deinem Mist gewachsen ist. Wer hätte gedacht, dass jeder mehr oder weniger gewollte Fettspritzer einem Pinselstrich gleichkommt.
Ich sehe sie schon vor mir. Die unzähligen Ausstellungsbesucher, wie sie eng geschart meine grotesk schmuddelige Spüle bestaunen und Dinge sagen wie „Ich habe gehört, der Künstler verwendete höchst seltene Schimmelpilze aus Sri Lanka. Nur so entsteht dieser wahnwitze Effekt samt des Kloakenaromas!“

Themenwechsel. Gestern auf der Flucht via S-Bahn hörte ich folgenden Klassiker. „Deine Mutter ist so fett, dass die Waage beim Wiegen ‚Fortsetzung folgt‘ anzeigt“. Hättest Du jemals gedacht, dass Dein Lieblingsmaterial Fett irgendwann im gängigen Jugendslang Verwendung findet? Dass sie mittlerweile statt „affentittengeil“ lieber „fett“ rufen? Und wenn Ja, hättest Du dann ein anderes Material genutzt?
Butter kannst Du Dir direkt abschmieren. Die Redewendung „Alles in Butter“ ist bereits zu sehr in aller Munde. Muss es überhaupt so schmierig sein wie meine Küche? Muss Kunst triefen und Flecken hinterlassen?

Bestimmt. Denn was für den einen bloß einen Fleck darstellt, ist für den anderen Kunst. Joseph, Du hättest mich vor zwei Wochen erleben sollen. Da stieß ich versehentlich gegen das voll mit Bier- und Biermixgläsern bepackte Tablett des nahenden und überforderten Kellners. Flecken ohne Ende! Mein bestes Werk bis dato.

Mit triefenden Grüßen
Oliver