Sep 20

Sep 01

Studio 54, Bunte Pillen, Erster vaginaler Orgasmus – hiermit grüße ich Dich, Britta!

Ich muss zugeben, ich habe im Zugabteil absichtlich weg geschaut, so konnten wir einem erzwungenen Gespräch aus dem Weg gehen. Irgendwas sagte mir, dass Dir das sehr gelegen kam.
Britta, Du hast dich nicht verändert. Du trägst immer noch höchst modische Kleidung, die Schuhe sind spitz wie eh und je und Deine Haarfarbe tendiert immer noch zwischen schmuddelblond und möchtegernbrünett. Nur die Handtasche scheint mit den Jahren kleiner geworden zu sein, dafür ist sie aber frech und rebellisch mit Nieten besetzt.
Du hast immer noch keine Augenbrauen.

Seitdem ich Dich kenne, malst Du konsequent Deine Augenbrauen zur jeweiligen Tagesstimmung zwischen Augen und Haaransatz. An manchen Tagen konnte ich einfach nicht wegsehen, zu faszinierend war Deine Gesichtsmalerei. Und hin und wieder – das kann ich mittlerweile unverfroren zugeben – stellte ich mir vor, wie ich sie Dir mit einem Radiergummi weg radiere.

Erinnerst Du Dich noch an den Moment, wo wir beide an einer roten Ampel Halt machen mussten? Die Stille war uns unangenehm und wir führten ein zwanghaftes Gespräch über das Wetter und den noch vor uns liegenden Tag. Du hast sogar über einen meiner zahlreichen Scherze gelacht und ich sagte mir: Wer hätte das gedacht? Sie kann lachen.

Zum Glück konnten wir am Treppenansatz das Gespräch beenden. Sonst wären unsere Vorurteile ernsthaft gefährdet gewesen.

Britta, ich habe eh nie verstanden, was die Männerwelt an Dir fand. Weiterlesen »

Aug 30

Dieter hält sich für eine Gießkanne. „Na was machen denn die Blumen?“, fragt sein Psychiater. Dieter sieht stoisch drein. Er kann den Psychiater nicht leiden. Aber was soll man als Gießkanne schon dagegen machen? „Oh eine ganze Menge“, antwortet der Arzt. „Sie müssen sich ja nicht von ihrer Gärtnerin hierher tragen lassen.“ Genau wegen diesen sarkastischen Bemerkungen will Dieter mit dem Psychiater nichts zu tun haben. Aber eine gute Gießkanne wehrt sich nun einmal nicht.
„Und was wäre wenn ich Napalm in sie rein gieße?“, fragt der Mann im weißen Kittel nun.
„Das ist mir egal tun sie was sie wollen, ich werde nichts dagegen unternehmen“, antwortet die Gießkanne.
„Aber die schönen Blumen!?“, bohrt der Arzt nach.
„Die Blumen sind mir scheißegal, das ist die Sache des Gärtners oder der Gärtnerin, ich bin eine Gießkanne.“
„Ach so“, meint der Psychiater und steckt sich eine Zigarette an.

Aug 28

Atmen Sie ein. Schalten Sie alles aus und ab. Atmen Sie aus.

Sie sind an einem Strand. Ein weiter, weiter, weiter Strand ohne störende Badegäste und Strandkörbe. Es ist ein strahlender Tag, wie man ihn von Postkarten kennt. Die Sonne leuchtet hell, aber spendet angenehme Wärme. Sie baden im Licht der Sonnendusche und vor Ihnen liegt der azurblaue Ozean. Es ist nahezu still. Nur hier und da hört man Möwen und Greenpeace-Aktivisten kreischen; das Meeresrauschen übertönt diese jedoch und ummantelt Ihre Gedanken. Atmen nicht vergessen! Sie nähern sich dem unendlichen Blau, bis ihre Zehen das Wasser berühren. Spüren sie die Naturgewalten durch Ihre Fersen. Sie werden eins mit dem Wasser. Ignorieren sie Unrat und Schiffsabfälle, was gelegentlich angespült wird. Sie sind das Wasser. Das Wasser sind Sie. Eins. Sie fließen. Ihre Gedanken zerfließen.

Atmen Sie tief ein. Konzentrieren sie sich auf Ihre Beine. Erfassen Sie mit Ihren flüssigen Gedanken Ihre unteren Extremitäten, bis Sie nur noch Wasser und Beine sind. Denken Sie sich Ihre Beine flüssig. Zerfließen Sie. Atmen Sie zwischendurch auch mal aus. Ihre Beine sind der Ozean. Nun fehlt noch der Rest des Körpers. Gehen Sie bei den Armen wie bei den Beinen vor. Sie fließen. Ihre Arme und Beine sind der Ozean. Sie sind ein Torso. Gleiten sie in den Ozean. Atmen Sie ein. Es ist ein Entspannungstext, Sie können Ihre Lungen somit nicht mit Meerwasser vollpumpen und einen qualvollen Tod sterben, nur um wie Abfall angespült zu werden und am Strand von spielenden Kindern mit Stöcken inspiziert zu werden. Atmen Sie aus.

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Aug 25

Das Krümelmonster läuft Amok. Es hat allerdings keine richtige Waffe, da es keine Hosentasche für ein Portemonnaie hat und deshalb keine Pistolen oder Gewehre bezahlen kann. Der Mann vom Waffengeschäft rät ihm stattdessen, einfach einen Gürtel aus Würstchen zu basteln und diese mit einem Kabel zu verbinden, so dass sie wie Dynamitstangen aussehen. Damit würde man täuschend echt wie ein Selbstmordattentäter wirken und er würde das auch dauernd so machen. Das leuchtet dem blauen Ungeheuer ein und so sieht man es mit einem Würstchengürtel in eine Konditorei einbrechen.
„Nicht schon wieder“, mault die Verkäuferin. „Das macht der Typ vom Waffengeschäft doch schon immer so.“
Das Krümelmonster gerät ins Schwitzen. „Kekse“, ruft es laut. „Sonst sprenge ich den Laden hier in die Luft!“
„Na gut, aber nur eine Packung“, meint die Verkäuferin streng. „Und sag dem Typ vom Waffengeschäft, dass seine Masche nicht mehr zieht. Wenn er noch einmal mit einem Dynamitstangengürtel hier einbricht, dann beiß ich ihm den Kopf ab!“

Aug 24

Nehmen wir mal an, dass Sie sich ein neues Buch zulegen wollen. Klassisches Szenario. Sie haben entweder einen Gutschein zum Geburtstag erhalten oder haben es satt, immer wieder diese Regalböden vom Staub zu befreien. Sie gehen in den Buchladen Ihres Vertrauens und nehmen das eine oder andere Werk in die Hand. Befummeln Hermann Hesse, Jamie Oliver und irgendwelche Vampire. Doch welcher Wälzer soll demnächst bei Freunden und Bekannten Belesenheit vortäuschen?
Ganz einfach: Aufschlagen. Den ersten Satz lesen. Oder gar den gesamten Absatz, wenn die Zeit denn reicht. Filmfreunde, die Harry & Sally gesehen haben, lesen sogar den letzten Absatz im Buch, denn sie scheinen unsicher, ob sie das letzte Kapitel überhaupt erreichen werden.
Aber es ist der erste Satz, der den Eindruck nachhaltig bestimmt. Wie bei einem Vorstellungsgespräch oder wenn man den Eltern vorgestellt wird. Innerhalb von wenigen Sekunden hat man entweder verschissen oder ist der Held. So ähnlich ist es auch bei Büchern. Wenn Titel, Autor und Cover noch nicht abgeschreckt haben, entscheidet der erste Satz. Sollte das ausgesuchte Büchlein mit den Worten „Es war einmal“ beginnen, kann man allerdings davon ausgehen, dass der Sex und Gewalt Anteil unbefriedigend niedrig ausfallen wird. Da sollte man sich nach Alternativen umschauen. Wie wäre es damit:„Sie war nackt. Er auch. Und obendrein spitz. Fast so spitz wie ihr Messer.“ Fuck Yeah, Basic Instinct lässt grüßen.
Solche Titel bzw. Einleitungen sollen uns an dieser Stelle nicht interessieren. Vielmehr geht es mir in dieser Ausführung darum, den nahezu perfekten Satz zu finden, der den zufällig oder gewollt Reinlesenden dazu bringt, das Buch nicht mehr so schnell aus der Hand legen zu wollen.

Eine prominente Jury hatte sich vor ein paar Jahren bereits mit dem Thema beschäftigt und kürte 2007 den schönsten Romananfang. Die Rede ist von Günther Grass und seinem Roman „Der Butt“, dessen erster Satz lautet: Ilsebill salzte nach. Er soll mir eine Hilfestellung sein! Der beste und schönste Romaneinstieg ever. Ilsebill salzte nach. Lassen wir es uns noch einmal, zum dritten Male, auf der Zunge zergehen.

Ilsebill. Salzte. Nach.

Hmm.
Der zweite Platz ging übrigens an folgenden Satz: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“. Klassiker! Kafka hat in seiner Verwandlung irgendwie dicker aufgetragen. Für die Käferstory reichte ein Salzstreuer kaum aus.
Anhand dieser beiden unantastbaren Beispiele will ich nun versuchen, selbst eine legendäre Einleitung auf das Papier zu bringen. Ein Satz, der den Leser dazu zwingt, das Buch nie mehr aus der Hand zu legen. Es spazieren führt und auf Schlaf und Nahrung verzichtend bis zum bitteren Ende durchschmökert – nur um den ersten Satz am Ende noch mal zu lesen. Und nochmal. Und nochmal. Der Anfang muss so perfekt sein, dass man nach dem Lesen direkt das Bedürfnis hat, eine Zigarette anzuzünden und zu raunen: Baby, frag nicht. Du warst großartig.
Ein Satz für die Ewigkeit. Ein Satz, den die großen Denker unserer Gegenwart bei Unstimmigkeiten oder Diskussionsrunden wie auf Kommando zitieren. Einer, der um die Welt geht. Den der Papst vom Balkon ruft.

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Aug 24

Letztens hielt ich überflüssige Gutscheine für eine der führenden „Gib-uns-dein-Geld-wir-machen-dich-fett-schnelles-essen-Restaurants“ in den Händen. Subway ist der Name und mein Verstand driftete nach langem Betrachten des merkwürdigen Angebots („Mit einem großen Cookie!“) ab. Plötzlich assoziierte ich Subway mit Subkultur. Frei nach dem Motto „Sie fangen gleich an … da muss es eine geheime Verbindung geben!“, ergab sich dieses seltsame Szenario, in dem man in einer Art Subkultur-Zentrale sich nicht nur sinnfreie Stullen kaufen kann, sondern auch eine Subkultur. Subculture!

„Hallo. Eine Subkultur-Stulle bitte.“
„Na klaro, da musst du aber erst mal sagen, was du genau darstellen willst.“
„Ach, ihr habt hier so viel Auswahl, da blick ich gar nicht durch. Erklär mal.“

„Ok. Hier ein Beispiel. Willst du eine Stulle phat beschmiert mit Butter? Mit kräftigem Flow und mächtig Juice? Die Stulle hängt knietief und ist mit Grafitti verziert. Desweiteren kannst du sie nach Gebrauch oldschool-mässig in die Tonne kloppen und anzünden.“
„Och nö. Haste nicht was anderes?“

„Aber klaro. Willst du eine Stulle mit authentischen, aber nicht wirklich ernst gemeinten Reveluzzer-Geschmack? Mit wild gefärbten Einlagen und Nieten und Piercings überall? Dazu gibts gratis eine Dose Bier und du kannst es wunderbar auf Bahnhofstreppen essen oder deinem Hund geben.“
„Auch das ist nun nicht unbedingt mein Geschmack…was noch?“

„Kein Problem. Willst du dich immer und überall einloggen können? Auf W-Lan-Parties mitmischen? Dann ist die multimediale Modding-Stulle das richtige. MP3 Player, Flatrate, Digicam, Headset und noch viel mehr, damit du stets im Bilde bist. World of Warcraft vorinstalliert und als Startseite haben wir dir eine MySpace-Seite eingerichtet. Auf Wunsch hin auch extrem übertaktet und Wasserstoffgekühlt.“
„Das ist mir alles zu viel…was denn noch? Aber mach es kurz.“

„Sonst gibt’s noch die Schranz-Stulle, die Goth-Stulle, die Skin-Stulle, die Larp-Stulle, die Emo-Stulle. Und noch einige mehr.“
„Was ist denn die Emo-Stulle?“
„Extrem im Trend! Pubertär, schwarzgefärbt und lässt sich nur von oben fotografieren!“
„Die nehm ich.“

Aug 23

Ein Einhorn geht ins Restaurant und bestellt ein Salatbrötchen. Der Kellner will ihm keins bringen. Verblüfft will das Fabelwesen wissen, wieso sein Wunsch verweigert wird. Der Kellner verweist auf die unpassende Abendgarderobe. Das Einhorn blickt an sich herab und stellt erschrocken fest, dass es immer noch den Trainingsanzug an hat. Ein fremder Mann kommt hinzu. Er bietet seinen Regenmantel an um den Anzug zu verdecken, aber der Kellner meint, dass das auch nicht passend wäre. Das Einhorn verlässt empört das Lokal und einige Leute schließen sich aus Solidarität an.
„Was sollen wir jetzt machen?“, fragt der Mann der dem Einhorn den Regenmantel leihen wollte.
„Wir stürzen die Bourgeoisie!“, schreit eine Frau und feuert mit ihrem Revolver in die Luft.
Der Mann wundert sich: „Die Bourgeoisie, sind wir das nicht selbst?“
Aber niemand beachtet ihn. Alle rennen dem Einhorn und der Frau hinterher und beginnen wild das Stadtviertel zu plündern und Autos anzuzünden.

Aug 23

Aug 22

Raus aus dem Bahnhof, am Puff vorbei, kurz einen Blick ins italienische Restaurant geworfen und endlich auf der Straße, die nach Hause führt. Gleich ist dieser grauenhafte Tag voller dämlicher Karnevalisten geschafft. Türe zu, Licht aus und die Welt kann mich kreuzweise. Würde mir da nicht diese Horde pubertierender Mädchen den Weg versperren.
Zum Glück habe ich einen Discman als Schutz dabei, denn so kann ich Taubheit antäuschen. Die Horde ist in Smalltalk vertieft, der hin und wieder durch einen jungfräulich-untervögelten Lachanfall unterbrochen wird. Sie haben mich noch nicht bemerkt. Mir hingegen fällt auf, dass sich alle Mitglieder dieser Gruppierung sehr ähneln. Ob es nun Emos waren oder nicht, konnte ich nicht sagen, denn ich habe sie nicht von oben gesehen.
Schnell vorbei.
Nach unten sehen.
Discman aufdrehen.
Ja!
Gleich geschafft.
Fuck. Sie folgen mir.

Ich fühle mich zeitweise wie der Rattenfängler von Hameln. Um meine Aufmerksamkeit zu erlangen, werden sie furchtbar laut. Jedoch traue ich mich nicht, mich umzudrehen. Sie holen auf.

„Lalalalalalala! LALALALALALALA!!!“
„Der ignoriert uns!“
„Hihihihihihihi. Der ignoriert uns!“
„Habe ich doch schon gesagt! Huhuhuhuhu!“
„Ob der uns hört?! LALALALALA!!!“

Ich will doch nur nach Hause. Das kann doch nicht zuviel verlangt sein.
Sie laufen nun neben mir. Ich überlege kurz, was zu tun ist und komme zu den Schluß: Angriff ist die beste Verteidigung.

„Lalalalala. Hallo! HALLO!“
Ich: „Ja.“

Das Hordenmitglied mit den dümmlichsten Schuhen spricht mich an. Sie muss ca. 16 Jahre alt sein und hat eine wirklich seltsame Frisur, die nur noch durch die penetrant nervige Stimme übertroffen wird.

Sie: „Musik ist ein Kommunikationskiller.“
Ich schaue sie nur an.
Sie: „Musik ist ein KOMMUNIKATONSKILLER!“
Ich: „Ich verstehe kein Wort.“
Sie: „KOMMUNIKATIONSKILLER!!!“
Ich: „Ja.“

Sie ziehen vorbei und drehen sich nicht nochmal um. Danke, Discman. Du hast mich gerettet. Und auch wenn Morrissey nicht gehört wurde, soll er an dieser Stelle zitiert werden:
Don’t forget the songs
That made you cry
And the songs that saved your life

Weil mich diese Begegnung mit der Mädchen-Horde so nachhaltig beeinflußt hat, ließ ich meinen Kumpel daran teilhaben.

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