Nov 01

Zombie-Diät

Auf seine 15 Minuten bereitete Erik sich gründlich vor. Er aß weniger als die Hälfte und manchmal sogar nur davon die Hälfte. Er verzichtete auf Schlaf und widmete sich dem Nachtprogramm der Privatsender. Duschen kam auch nicht mehr in Frage, sonst hätte er nie die erforderlichen Fliegen anlocken können.
Er studierte über Wochen hinweg ältere Herrschaften an ihren Rollatoren oder Gehhilfen, um den langsamen Gang zu perfektionieren. Dazu schlenderte er immerzu durch Supermärkte und Wartezimmer, bis jemand misstrauisch wurde und die Polizei rief. Außerdem übte er eine schwammige Aussprache, indem er sich mit einer nassen Socke behalf, die er sich in den Mund steckte. Wörter wie „Telekommunikationselektronikerausbildungsvergütung“ wurden zur Qual.
Erik freut sich sehr auf seine kleine Komparsenrolle in irgendeinen weiteren Zombiestreifen aus Hollywood, der bis dato keinen Titel hat. Vielleicht „Ein Zombie schlurft selten allein“, „Hobbits vs. Zombies“ oder „Zombie Gump“. Wie auch immer, Erik fühlt sich endlich von seiner Umwelt beachtet und er freut sich, wenn Passanten über ihn tuscheln. Schliesslich ist er bald ein Filmstar. Seine Freunde und vor allem seine Mutter erkennen ihn jedoch kaum wieder.
Aber das ist wohl der Preis des Ruhms.

Dez 06

Aug 24

Letztens hielt ich überflüssige Gutscheine für eine der führenden „Gib-uns-dein-Geld-wir-machen-dich-fett-schnelles-essen-Restaurants“ in den Händen. Subway ist der Name und mein Verstand driftete nach langem Betrachten des merkwürdigen Angebots („Mit einem großen Cookie!“) ab. Plötzlich assoziierte ich Subway mit Subkultur. Frei nach dem Motto „Sie fangen gleich an … da muss es eine geheime Verbindung geben!“, ergab sich dieses seltsame Szenario, in dem man in einer Art Subkultur-Zentrale sich nicht nur sinnfreie Stullen kaufen kann, sondern auch eine Subkultur. Subculture!

„Hallo. Eine Subkultur-Stulle bitte.“
„Na klaro, da musst du aber erst mal sagen, was du genau darstellen willst.“
„Ach, ihr habt hier so viel Auswahl, da blick ich gar nicht durch. Erklär mal.“

„Ok. Hier ein Beispiel. Willst du eine Stulle phat beschmiert mit Butter? Mit kräftigem Flow und mächtig Juice? Die Stulle hängt knietief und ist mit Grafitti verziert. Desweiteren kannst du sie nach Gebrauch oldschool-mässig in die Tonne kloppen und anzünden.“
„Och nö. Haste nicht was anderes?“

„Aber klaro. Willst du eine Stulle mit authentischen, aber nicht wirklich ernst gemeinten Reveluzzer-Geschmack? Mit wild gefärbten Einlagen und Nieten und Piercings überall? Dazu gibts gratis eine Dose Bier und du kannst es wunderbar auf Bahnhofstreppen essen oder deinem Hund geben.“
„Auch das ist nun nicht unbedingt mein Geschmack…was noch?“

„Kein Problem. Willst du dich immer und überall einloggen können? Auf W-Lan-Parties mitmischen? Dann ist die multimediale Modding-Stulle das richtige. MP3 Player, Flatrate, Digicam, Headset und noch viel mehr, damit du stets im Bilde bist. World of Warcraft vorinstalliert und als Startseite haben wir dir eine MySpace-Seite eingerichtet. Auf Wunsch hin auch extrem übertaktet und Wasserstoffgekühlt.“
„Das ist mir alles zu viel…was denn noch? Aber mach es kurz.“

„Sonst gibt’s noch die Schranz-Stulle, die Goth-Stulle, die Skin-Stulle, die Larp-Stulle, die Emo-Stulle. Und noch einige mehr.“
„Was ist denn die Emo-Stulle?“
„Extrem im Trend! Pubertär, schwarzgefärbt und lässt sich nur von oben fotografieren!“
„Die nehm ich.“