Apr 02

Lieber Joseph,

ich kann nicht mehr malen und ich kann nicht mehr zeichnen. Solche Probleme sind Dir sicherlich unbekannt. Du würdest wahrscheinlich einfach eine Packung Vogelfutter, 30 Dosen Schuhcreme, mehrere Stadtpläne irgendwelcher Kleinstädte am Niederrhein und Spülmittel (Warum sagen manche Leute dazu Spüli? Man sagt doch auch nicht Zahncremi. Oder Waschi) nehmen und damit irgendein Behältnis füllen – vorzugsweise etwas, das man danach nie wieder benutzen kann. Nie wieder Waschi für die Waschmaschine kaufen.
Warum kann ich nicht mehr malen und zeichnen? Ich habe Angst vor dem ersten Strich. Der muss derartig perfekt sitzen, dass ich nicht genervt abbreche, sondern jubelnd weitere Striche ziehe. Eine weitere Sorge ist die Meinung anderer Leute.

Sicherlich ist mir klar, dass man auf diese besser niemals hören sollte. Es sei denn, sie rufen „PASS AUF! DIE AMPEL IST ROT!“ oder so etwas in der Art. Aber im Normalfall ist es oft furchtbar ernüchternd, den meisten Personen einfach nur zuzuhören. Bei dem Besuch einer Deiner Ausstellungen in Düsseldorf fragte einer der Mitläufer einer Führung, wie viel ein bestimmtes Deiner Werke nun wert sei. Da möchte man nur noch den Kopf schütteln und den Wissbegierigen gleich mit. Nun stelle Dir mal vor, ich fülle meine Waschmaschine mit Vogelfutter und Co. und nenne sie schlicht und einfach „Das unfassbare Unglück in penetranten Zahlenreihen abseits von Dir und Frau Müller“ – wie soll ich da mit Fragen nach dem Wert umgehen? Die Waschmaschine ist schließlich hin.

Eine andere Frage bleibt bestehen: Wie soll man mit der Meinung der Anderen umgehen? Die eigene Meinung bleibt meist übertrieben kritisch und die der anderen ist ja oft nur Phrasendrescherei, die zwar wunderbar für Smalltalk verwendbar ist, aber sonst wertfrei bleibt.
Blöd nur, dass ich mir die Antwort auf die Frage gerade selbst geliefert habe. Vielleicht liegt aber darin der Sinn so mancher Meinungsäußerung. Also, wo ist mein Stift?

Fette Grüße
Oliver

 

Sep 29

In meinem Kofferraum habe ich Muammar al-Gaddafi gefunden. Er hat mich angefleht, ihn nicht zu verraten und gebeten, ihm ein neues Micky Maus Comic zu besorgen. Das was ich im Auto liegen hatte, ist von 1997 und er hat es nun schon 183-mal gelesen. Aber ich habe ihm gesagt, er könne mich kreuzweise, erst die Menschenrechte missachten und dann auch noch Forderungen stellen. Da hat er angefangen zu heulen. Das geht einem dann doch nahe. Also bin ich zum Kiosk gegangen, habe ein neues Heft gekauft und es ihm gegeben. Doch der unverschämte Hund hat er mir den Comic vor die Füße geworfen. Er wollte die Ausgabe Nummer sechs aus dem Jahre 1997 weil darin die Geschichte weitergehen würde die er angefangen habe. Ich habe geseufzt und ihn mitleidig angeschaut. Dann habe ich ihm erklärt, dass es jede Woche eine neue Ausgabe von Micky Maus gibt und wenn er so anfangen würde, er alle kaufen müsse. Er hat kurz überlegt, ob er noch genug Geld habe um sich den gesamten Disneykonzern zu kaufen. Aber das meiste habe sein Doppelgänger mitgenommen und in der Wüste verbuddelt, bevor er auf der Flucht erschossen worden sei. Gaddafi kann übrigens nicht sehr gut mit Zahlen umgehen. Er schätzt, dass er zwischen 5 Cent und 26 Milliarden Euro in seinem Schuh versteckt hat. Davon kann er sich immerhin das Schloss kaufen in dem die Kelly-Family jahrelang gewohnt hat.

Sep 20