Jun 14

Smartphones, Facebook, Twitter, Skype und Co, wozu brauchen wir das überhaupt? Um es frei nach Freud zu formulieren: Natürlich ist es besser, eine Beleidigung mit viel räumlicher Distanz per WhatsApp rauszudrücken, als mit einer Streitaxt auf jemanden loszugehen. So gesehen ist das Handy eine beachtliche Kulturleistung, die uns den alltäglichen Umgang mit unseren Mitmenschen enorm vereinfachen kann.

Doch machen wir vorab einen kleinen Ausflug ins finstere Mittelalter, als es noch keine Handys gab, beziehungsweise die Mobiltelefone noch sperrige Funkgeräte waren, die nur einer erlauchten Elite von Aristokraten und Wirtschaftsbossen vorbehalten blieben, die diese Apparaturen aufgrund der schieren Größe in ihre Automobile einbauen ließen. Der gemeine Pöbel indes träumte davon der Statussymbole dieser Oberschichtler habhaft zu werden, einen schicken Sportwagen zu besitzen und in diesem eines jener Funktelefone zu haben, das heute jeder dahergelaufene Dorftrottel im Miniaturformat in der Westentasche mit sich herumträgt. Dass diese Träume meist durch das Fernsehen induziert wurden und die meisten Handys heute smarter sind als ihre Besitzer, ist eine Folge der Phantasielosigkeit und Trägheit der Masse an sich – soll uns an dieser Stelle jedoch nicht stören.

Was taten die Leute damals in ihrer Freizeit, so ganz ohne die moderne Errungenschaft der drahtlosen Telekommunikation? Eigentlich das gleiche wie heute: Sie vegetierten vor sich hin.

Ich erinnere mich noch haargenau an die Jugendlichen auf dem Schulhof. Einige Kinder tollten herum und rannten einem Ball hinterher. Eine Gruppe von Halbstarken verschwand heimlich in den Gebüschen um zu rauchen. Die meisten Mädchen steckten die Köpfe zusammen, tauschten Glanzbilder oder Sticker und gackerten, wenn Weiterlesen »

Jun 11

Gruselige Dystopie von Oliver Peters

Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Bei den etlichen ausgeschnittenen Zeitungsartikeln oder bei dem Fotoalbum mit den unzähligen Schnappschüssen von Menschen in seltsamen Klamotten. Vielleicht auch die zahlreichen Magazine, wo längst verstorbene Politiker die Titelblätter zieren oder die Schallplatten mit Liedern, die wie aus einer anderen Welt scheinen. Worum es sich dabei genau handelt, konnten wir manchmal nur anhand des Beipackzettels erahnen, welcher dieser Zeitkapsel beilag.

Unser Vater verstarb vor zwei Wochen. Als wir das Erbe antraten, wussten wir gar nichts von dieser Zeitkapsel. Wir, das sind meine Geschwister und ich. Unsere Mutter verstarb schon lange vor unserem Vater. Und der hatte dieses Zeitdokument verschwiegen. Bis heute.

Das Fotoalbum war zu knapp zwei Dritteln mit Familienbildern gefüllt. Angefangen bei unserem Ur-Ur-Opa zeigen die letzten Bilder unsere Eltern, als sie noch in unserem Alter waren. Da hatte unser Vater noch Haare. Verrückte Zeiten.
Wir fanden auch einige Liebesbriefe, die unser Opa an unsere Oma schrieb. Wer hätte gedacht, dass der so romantische Zeilen zu Papier bringen kann. Unsere Erinnerungen zeigen ihn eher als verschlossenen Typen, der lieber im Hobbykeller werkelte, als mit unserer Oma zu turteln.

Auch wir tauchten hier und da schon auf. Auf Fotos, wo wir in Wäschekörben gebadet wurden oder alte Zeichnungen und Schriftstücke von uns, wie z.B. unsere ersten Briefe. Manchmal dachten wir, das alles sei irgendwie mit der Zeit verschütt gegangen. Dabei bewahrten unsere Eltern es stillschweigend auf, selbst peinlichste Dokumente wie „Ales Guhte zum Muttathag“-Karten. Aber zugegeben … wir mussten auch schmunzeln.

So viele Erinnerungen auf einem Haufen, in einer Kiste. Nun waren wir gefordert. Was wollen wir für unseren Nachwuchs aufbewahren, damit sie unsere Geschichte weitertragen? Weiterlesen »

Jun 07

Sommernächte können aufreibend bzw. aufwühlend sein. Man will sich auf’s Ohr hauen und schlägt sich stattdessen die ganze Nacht um die Ohren. Zum Glück erging es mir gestern ein wenig anders und konnte sogar träumen. Besser noch: Ich kann mich sogar an Großteile des Traums erinnern.

Interessant ist auch das Vorgeplänkel, welches zum Traum geführt haben muss. Gestern unterhielt ich mich noch über eine eventuelle Notwendigkeit von Bewegung (in Fachkreisen auch Sport genannt), um den Ausklang der langen Winterdepression zu beschleunigen.

Mir wurde Laufen empfohlen, wobei ich mich direkt fragen musste: Laufen? Okay. Aber wohin?

Durch ein Waldstück, an einem Fluß vorbei. Sicherlich eine Möglichkeit, aber ich habe große Sorge, dass sich dort lauter Leute mit ähnlichen Problemen versammeln. Nachher wird man angesprochen mit den Worten: „Na? Sind sie sportlich unterwegs oder haben sie auch Depressionen?“

Lustig, dass mir mein Gedankengang zu akuten Depressionen direkt einen Traum bescherte: Weiterlesen »