Okt 10

Das Judentum ist in Europa immer wieder systematisch verfolgt und ausgegrenzt worden. Trotzdem, oder gerade deswegen, hat sich eine eigene Kultur und Sprache entwickelt die wiederrum immer wieder Einfluss auf ihre Umgebung gehabt hat. Es folgt eine Liste mit meinen Lieblingswörtern, die aus dem hebräischen/jiddischen Sprachgebrauch stammen:

1. Heiraten – kaum noch aus dem Deutschen wegzudenken ist dieses jüdische Wort. Ursprünglich sagte man in Deutschland „Hochzeit halten“, was aber doch umständlicher ist und mittlerweile antiquiert wirkt.

2. Schnorrer – im Judentum galt es sich um die ganze Mischpoche zu kümmern; das heißt um die ganze teilweise sehr weitläufige Verwandtschaft. Kam man zu Geld erschienen kurz darauf die entferntesten Vettern oder über drei Ecken verwandte Schwippschwägerinnen um sich bei einem durchzuschnorren.

3. Zocken/Zocker – sich etwas „zocken“, jemanden oder etwas „abzocken“ sind Wendung aus dem Rotwelschen, einer Gaunersprache, auf die das Jiddische Einfluss hatte, da Juden sich im Mittelalter durch von den Christen verhängte Berufsverbote oft als Wucherer, Hehler oder sogar als Diebe durchschlagen mussten.

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Jun 06

Wollmäuse sind die Haustiere der Nation, wobei sie natürlich einen deutlich schlechteren Ruf genießen als beispielsweise Hunde, die sich jederzeit die eigenen Genitalien säubern können. Wollmäuse sind nicht selbstreinigend und wollen in den ungünstigsten Momenten Fangspiele durchsetzen, wenn man z.B. gerade mit einem Swiffer oder Staubsauger durch die Wohnung tigert.

Apropos Selbstreinigung. Wortverwandt zu den Wollmäusen ist das Gewölle, die auch als Speiballen bezeichnet werden. Gemeint sind damit unverdaute Nahrungsreste, die von Greif- und Jagdvögeln wieder hochgewürgt werden. Wahre Schätze, wenn man einschlägigen Adressen im Internet glauben möchte, denn dort kann man solche Mageninhalte sogar bestellen. Mit echten Knochen- und Federresten. Als Dekorationsobjekt, Türstopper, Lesezeichen oder wozu auch immer.
Doch warum man zum Teufel im Mittelalter glaubte, gar in unfassbar widerlichen Kröten derartig Kostbarkeiten rausfischen zu können, bleibt mir ein Rätsel.

Ich mag Kröten nicht. Für mich wirken sie wie matschige Brötchen, von regenwaldartigen Sinfluten weichgespülte Haufen, die gerne mal auf Wanderung gehen. Wenn ich mal einen zu euphorischen Moment habe, den ich irgendwie abbremsen möchte, schaue ich mir per Google-Bildersuche Fotos von Aga-Kröten an – danach bin ich bedient. Laut einem Spiegel Online Artikel hasst ganz Australien diese Ekelkröte, ich darf zitieren: Weiterlesen »

Mai 21

Bereits im Mittelalter war der Bader oder Bäder die wichtigste Person im kulturellen Leben. Er betrieb eine Badestube und da es zu dieser Zeit keine Badewannen oder Duschen in den Privathäusern gab, traf sich der ganze Ort zur Körperpflege bei ihm. Der Bader reichte Speisen und Getränke, unterhielt die Leute, wusch Haare, schnitt Nägel, fädelte geschickt die eine oder andere Ehe ein und behandelte ganz nebenbei noch allerlei Krankheiten. Kurzum: Die Badestube war der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft. Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt daran, dass viele auf den Status des Baders eifersüchtig waren.

Allen voran sind hier die Vorgänger der heutigen Ärzte zu nennen. Diese studierten Emporkömmlinge bildeten sich wer weiß was auf ihr theoretisches Wissen ein. Doch welcher Arzt stellt einem als Entschädigung für eine verpfuschte Operation denn schon die hübsche Bademagd für ein illustres Tête-à-Tête zur Verfügung? Genau, keiner. Die tun alle so, als ob sie nichts dafür könnten, wenn ihnen mal ein Patient wegstirbt. Das Tätigkeitsfeld des Arztes ist eben nicht von dem ehrbaren Beruf des Baders ableitbar. Vielmehr ist hier eine obskure Mischung aus den Pfründen des Henkers, des Scharlatans und des Schneiders zusammengewürfelt worden (wobei man bei letzterem eher von einem grobschlächtigen Zunäher sprechen muss, denn Weiterlesen »