Jun 12

Wer bei diesem Bild an Sex denken kann sollte den Text besser nicht lesen

Sex? Nein, danke.
Es war ein schleichender Prozess, der bei mir gar nicht viel Aufsehen erregte. Viel mehr wurde ich per Zufall darauf gestoßen, als ich im Wartezimmer einer Arztpraxis abgegriffene Zeitschriften durchblätterte. In einem Artikel (es muss DER STERN gewesen sein) ging es dann zur Sache: Männer haben immer häufiger Libido-Probleme.

Schnell, schneller, am schnellsten, und dann noch rasch zum Yoga/Zumba/Curling und anschließend Aldi. Oder Kram für die Arbeit morgen vorbereiten. Noch mal Facebook checken. Früh aufstehen und die Kinder zur Schule bringen. Funktionieren müssen, tagein, tagaus. Da bleibt die Lust auf der Strecke. So ähnlich bringen es die Experten in dem Artikel auf den Punkt und ich muss zugeben, dass ich mich direkt wieder erkannte. Ich habe zwar weder Kinder noch treibe ich Sport … aber Facebook und Aldi graste ich die Tage schon ab.

Da ich an dem Tag eh schon aufgrund einer hartnäckigen Erkältung beim Arzt war, nahm ich den Artikel gleich mit ins Sprechzimmer und klagte mein Leid. Weiterlesen »

Jun 08

Testosterongesteuerte Unwissenheit

Frauen.
Manchmal reicht das Wort an sich. Man braucht gar keine ellenlangen Erklärungen suchen, muss sich nichts aus den Fingern saugen. Manchmal genügt einfach ein in den Raum geworfenes oder leise genuscheltes „Frauen“.
So was kann nur von einem Mann kommen. Genau wie dieser Text. Das Dumme am Thema ist nur Ich habe gar keine Ahnung von Frauen.

Stimmen die Klischees? Ich will Mario Barth und den Privatsendern nicht glauben. Auch Feuchtgebiete und Pornorap kann und will ich nicht ernst nehmen. Til Schweiger und Girliemagazine haben gewiss auch keine Ahnung. Also wie soll man es erfassen? Die Frau – das unbekannte Wesen.

Bei meinen Recherchen im Internet stieß ich auf interessante Fakten. Zum Beispiel, dass Frauen sich zuerst oben rum entkleiden und dann erst die Hose oder den Rock. Männer machen es umgekehrt. Ein spontaner Selbstversuch bestätigte die Annahme.

Des weiteren fand ich nur die üblichen Vorurteile. Weiterlesen »

Mai 21

Bereits im Mittelalter war der Bader oder Bäder die wichtigste Person im kulturellen Leben. Er betrieb eine Badestube und da es zu dieser Zeit keine Badewannen oder Duschen in den Privathäusern gab, traf sich der ganze Ort zur Körperpflege bei ihm. Der Bader reichte Speisen und Getränke, unterhielt die Leute, wusch Haare, schnitt Nägel, fädelte geschickt die eine oder andere Ehe ein und behandelte ganz nebenbei noch allerlei Krankheiten. Kurzum: Die Badestube war der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft. Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt daran, dass viele auf den Status des Baders eifersüchtig waren.

Allen voran sind hier die Vorgänger der heutigen Ärzte zu nennen. Diese studierten Emporkömmlinge bildeten sich wer weiß was auf ihr theoretisches Wissen ein. Doch welcher Arzt stellt einem als Entschädigung für eine verpfuschte Operation denn schon die hübsche Bademagd für ein illustres Tête-à-Tête zur Verfügung? Genau, keiner. Die tun alle so, als ob sie nichts dafür könnten, wenn ihnen mal ein Patient wegstirbt. Das Tätigkeitsfeld des Arztes ist eben nicht von dem ehrbaren Beruf des Baders ableitbar. Vielmehr ist hier eine obskure Mischung aus den Pfründen des Henkers, des Scharlatans und des Schneiders zusammengewürfelt worden (wobei man bei letzterem eher von einem grobschlächtigen Zunäher sprechen muss, denn Weiterlesen »

Apr 15

Will man Erfolg bei dem anderen Geschlecht haben, sollte man genau auf die Schuhe achten, die das Gegenüber trägt. Manche haben hohe Absätze, andere knallige Farben, wieder andere sind schlicht und einfach oder vielleicht sogar aus Leder. Die Schuhe geben wichtige Aufschlüsse über die Sexualität und das Balzverhalten des Gegenübers. Wie man diese Verbindungen einzuordnen hat, muss man allerdings den Experten überlassen, die sich wichtigmachen wollen und ohnehin zu jedem Thema etwas zu sagen haben. Neulich sprach ein solcher Experte über Zebras. Es war – glaube ich – in einem Tierfilm. Was er genau sagte weiß ich nicht mehr, aber es schien enorm wichtig zu sein und man hätte es sich besser merken sollen. Zusammenhänge gibt es aber viele, Zebras tragen keine Schuhe und kopulieren gerne im Freien. Ich vermute, dass Barfußgeher dies auch gerne tun, wenn sich die Möglichkeit bietet. Doch so genau weiß ich das nicht. Nicht jeder, der keine Schuhe trägt, identifiziert sich schließlich mit einem Zebra.

Nov 21

Im Satyr-Verlag ist das Buch „Macht Sex Spass? Ja, Nein, Vielleicht, Weiss nicht“ erschienen, in dem viele humoristische Kurzgeschichten zum Thema Sex versammelt wurden. Auch wenn in der viel zu kurzen Autorenzeile bei Amazon nicht erwähnt, ist Fremdleser Benjamin Bäder mit einer Anekdote über möglicherweise ganz normalen Sex vertreten.

http://www.amazon.de/Macht-Sex-Spaß-VIELLEICHT-Geschichten/dp/3981489179

Nov 15

Bruder Gerlinger ist Mormone, aber er wäre viel lieber Lokomotivführer geworden. Früher hat sein Vater ihn immer geschlagen, wenn er diesen Wunsch äußerte. Deshalb dachte sich Bruder Gerlinger, dass er sich drei Frauen nehmen sollte, um sich abzureagieren und so wurde er Mormone. Blöd nur, dass die Mormonen gar nicht mehr Frauen haben dürfen als andere Menschen auch. Außerdem ist Schwester Gerlinger ein richtiges Miststück und macht ihrem Mann das Leben zur Hölle. Sie kauft ihm keine Süßigkeiten, er darf nicht fernsehen und Sex findet sie langweilig. Bruder Gerlinger flüchtet in eine Phantasiewelt. Hier kann man unausgesprochene Tabus brechen und er hat Geschlechtsverkehr mit einer Eisenbahn. Leider steht diese neun Monate später vor der Wohnungstür. Sie ist hochschwanger. Schwester Gerlinger ist außer sich, aber die Lokomotive verlangt Unterhalt und als ihr der von der rigorosen Frau verweigert wird, setzt sie sich auf ihren Kopf. Da ein Zug nicht als Waffe zählt geht alles gut aus. Jetzt ist Bruder Gerlinger mit der Lok verheiratet. Ihren Sohn haben sie Jim genannt.

Aug 24

Nehmen wir mal an, dass Sie sich ein neues Buch zulegen wollen. Klassisches Szenario. Sie haben entweder einen Gutschein zum Geburtstag erhalten oder haben es satt, immer wieder diese Regalböden vom Staub zu befreien. Sie gehen in den Buchladen Ihres Vertrauens und nehmen das eine oder andere Werk in die Hand. Befummeln Hermann Hesse, Jamie Oliver und irgendwelche Vampire. Doch welcher Wälzer soll demnächst bei Freunden und Bekannten Belesenheit vortäuschen?
Ganz einfach: Aufschlagen. Den ersten Satz lesen. Oder gar den gesamten Absatz, wenn die Zeit denn reicht. Filmfreunde, die Harry & Sally gesehen haben, lesen sogar den letzten Absatz im Buch, denn sie scheinen unsicher, ob sie das letzte Kapitel überhaupt erreichen werden.
Aber es ist der erste Satz, der den Eindruck nachhaltig bestimmt. Wie bei einem Vorstellungsgespräch oder wenn man den Eltern vorgestellt wird. Innerhalb von wenigen Sekunden hat man entweder verschissen oder ist der Held. So ähnlich ist es auch bei Büchern. Wenn Titel, Autor und Cover noch nicht abgeschreckt haben, entscheidet der erste Satz. Sollte das ausgesuchte Büchlein mit den Worten „Es war einmal“ beginnen, kann man allerdings davon ausgehen, dass der Sex und Gewalt Anteil unbefriedigend niedrig ausfallen wird. Da sollte man sich nach Alternativen umschauen. Wie wäre es damit:„Sie war nackt. Er auch. Und obendrein spitz. Fast so spitz wie ihr Messer.“ Fuck Yeah, Basic Instinct lässt grüßen.
Solche Titel bzw. Einleitungen sollen uns an dieser Stelle nicht interessieren. Vielmehr geht es mir in dieser Ausführung darum, den nahezu perfekten Satz zu finden, der den zufällig oder gewollt Reinlesenden dazu bringt, das Buch nicht mehr so schnell aus der Hand legen zu wollen.

Eine prominente Jury hatte sich vor ein paar Jahren bereits mit dem Thema beschäftigt und kürte 2007 den schönsten Romananfang. Die Rede ist von Günther Grass und seinem Roman „Der Butt“, dessen erster Satz lautet: Ilsebill salzte nach. Er soll mir eine Hilfestellung sein! Der beste und schönste Romaneinstieg ever. Ilsebill salzte nach. Lassen wir es uns noch einmal, zum dritten Male, auf der Zunge zergehen.

Ilsebill. Salzte. Nach.

Hmm.
Der zweite Platz ging übrigens an folgenden Satz: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“. Klassiker! Kafka hat in seiner Verwandlung irgendwie dicker aufgetragen. Für die Käferstory reichte ein Salzstreuer kaum aus.
Anhand dieser beiden unantastbaren Beispiele will ich nun versuchen, selbst eine legendäre Einleitung auf das Papier zu bringen. Ein Satz, der den Leser dazu zwingt, das Buch nie mehr aus der Hand zu legen. Es spazieren führt und auf Schlaf und Nahrung verzichtend bis zum bitteren Ende durchschmökert – nur um den ersten Satz am Ende noch mal zu lesen. Und nochmal. Und nochmal. Der Anfang muss so perfekt sein, dass man nach dem Lesen direkt das Bedürfnis hat, eine Zigarette anzuzünden und zu raunen: Baby, frag nicht. Du warst großartig.
Ein Satz für die Ewigkeit. Ein Satz, den die großen Denker unserer Gegenwart bei Unstimmigkeiten oder Diskussionsrunden wie auf Kommando zitieren. Einer, der um die Welt geht. Den der Papst vom Balkon ruft.

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Aug 23