Jul 16

Ich zähle die Stacheln meines Igels. Es ist gewiss mein fünfter Versuch und ich schaffe es bis 43. Der überdrehte Racker macht mir stets einen Strich durch die Rechnung. „Nun halt doch mal still, verdammt“, sage ich und schüttele leicht den Karton, in dem der Igel auf und ab geht. Dieser ignoriert mich gekonnt und kratzt stattdessen in einer Ecke herum. Ich starte direkt einen erneuten Versuch: Eins, zwei, drei, vier, fünf, wo war ich?

Neben mir sitzt ein älterer Mann mit einem Dackel zwischen den Knöcheln. Beide mustern mich mit einem ähnlich müdem Gesichtsausdruck, wobei ich mir einen Dackelblick bisher anders vorgestellte. Ohnehin habe ich den Eindruck, dass alle Augen im Wartezimmer der Tierarztpraxis auf meinen Karton und mich gerichtet seien. Herrchenaugen, Frauchenaugen, Hundeaugen, Katzenaugen, Reptilienaugen, Nageraugen und vielleicht sogar Hühneraugen. Für einen kurzen Moment überlege ich, meinen stachligen Begleiter und mich vorzustellen, doch ich beschließe einfach zu warten, bis ich aufgerufen werde. Weiterlesen »

Nov 11

Lieber Joseph,

Du hattest schon immer ein Herz für Tiere. Würde ich glatt auch über mich behaupten, doch irgendwie haben derartige Aussagen einen bitteren Beigeschmack. Meist sind Leute, die „besser mit Tieren“ zurecht kommen, schlicht und einfach Opfer einer Sozialphobie.
Soll natürlich nicht bedeuten, dass alle Hundestreichler, Katzenkrauler und Schlangenschmücker total unfähig seien, es auch nur zwei Minuten mit anderen Menschen in einem Raum auszuhalten. Jedoch merkt man schnell, wenn jemand hauptsächlich mit Lebewesen kommuniziert, welche Widerworte nur in der Form von Schnurren, Bellen oder Nase wackeln hervorbringen. Sollte man dann noch die Schlafstätten tauschen oder sich gar selbst auf allen Vieren vorwärts bewegen, übertreibt man es eventuell mit der Zuneigung.

Apropos Tiere. Ein enger Freund hat derzeit ein Frauenproblem. Nicht, dass ihm die Ehefrau oder Freundin Probleme bereitet. Es ist vielmehr so, dass ihre konsequente Abstinenz für Verdruss sorgt. Soll bedeuten, dass er diese Dame noch nicht mal kennengelernt hat. Weiterlesen »

Jul 12

Die statistische Auswertung einer Internetseite ist oft sehr nichtssagend und nur für spleenige Experten informativ. Natürlich ist es unglaublich toll zu erfahren, wie viele Leute die Möglichkeit gehabt haben auf die Seite zu klicken, es aber dann doch nicht getan haben. Doch im Allgemeinen ist eine solch frustrierende Erkenntnis nicht von Belang.

Viel interessanter finde ich da schon die Auswahl der Suchwörter mit denen Leser auf unsere Seite gelangt sind. Diese sind nicht unbedingt deckungsgleich mit dem Inhalt unserer Geschichten. Es kommt mir manchmal so vor, als ob die jeweilige Suchmaschine (in unserem Fall der allgegenwärtige Moloch Google) die Begriffe, die häufig auf unserer Seite erscheinen, neu zusammenwürfelt und versucht dieses wirre Packet potenziellen Suchenden unterzujubeln, die dann enttäuscht auf uns stoßen und ihren Klick womöglich bitter bereuen. Die drei fehlgeleitesten Internetrecherchen, die zu allem Überfluss sehr häufig auf unsere Seite geführt haben, möchte ich nun kurz vorstellen:

1. Die abwegigste Suchwortkombinationen lautet: „Swiffer giftig für Tiere“. Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Suchanfrage für einige Menschen von bedeutendem Interesse ist. Nehmen wir einmal den Fall, dass man mit den Einkäufen nach Hause kommt, alles neben den Meerschweinchenkäfig stellt und schnell die verderblichen Waren ins Eisfach einsortieren möchte. Kommt man zurück hat das Meerschweinchen ein komplettes Packet Swiffer gefressen. Da ist es verständlich, dass man alles stehen und liegen lässt und erst mal den Rechner anschmeißt, um zu googeln ob der liebe Hausgenosse noch Zeit hat ein Testament aufzusetzen. Aber warum landen solche Leute bei uns? Ich kann mich nicht daran erinnern bisher darüber geschrieben zu haben, dass irgendein Tier mit Swiffer vergiftet wurde oder jemanden mit Swiffer vergiftet hat.

2. Die nächste Suchoption (mit der wir angeblich eine Zeit lang auf Platz drei der Googlesuchergebnisse rangierten) ist: „Dr Oliver Peters schwul“. Ich musste sehr lachen, als ich das gelesen habe. Nicht nur weil Weiterlesen »