Nov 01

Jesus Christus letzter Fehler

Sep 10

Es geht nichts über ein perfektes Verbrechen
Ron hat zum Geburtstag einen Zitteraal bekommen. Das ist ein tolles Geschenk für einen Sechsjährigen. Jetzt kann er endlich mit seinem Hamster „Elektrischer Stuhl“ beziehungsweise „Elektrisches Schwimmbad“ spielen. Leider ist der Hamster schon beim ersten Spiel vollkommen bewegungsunfähig, ja unter Umständen sogar tot. So ein Zitteraal kann nämlich selbst einen ausgewachsenen Bullen umhauen. In diesem Moment kommt auch schon Rons Vater nach Hause. Er ist Polizist und wundert sich über den neuen Fisch im Aquarium seines Sohnes. Als er danach greifen will bekommt er einen Schlag und fällt zu Boden. Endlich kann der Geliebte seiner Frau aus dem Schrank herauskommen. Es scheint als ob sie alles richtig gemacht hat, da ruft der Geliebte: „Ein Wunder, er lebt.“
Rons Mutter wird kreidebleich und springt aus dem Fenster. Doch ihr Geliebter meinte nicht ihren Mann, sondern den Hamster.

Jun 23

Kapitän Akbars Papagei ist geisteskrank. Er hält sich für einen Propheten und sagt den Piraten den Tod voraus, wenn sie ihm dafür Kekse geben. Zuerst finden die Matrosen das lustig, aber als der Schiffsjunge stirbt, dem der Papagei als erster den Tod herbeiorakelt hat, verstummt ihr Gelächter. Jetzt wollen sie das Federvieh heimlich in den Kochtopf werfen um Unheil abzuwenden. Doch der Papagei hat seine Stunde noch nicht kommen sehen, er fliegt in die Takellage und krächzt Haushaltstipps und Wettervorhersagen, die aufs übelste miteinander verquirlt sind. Gewitterbrei, Sonnenwindeln, Teppichklopferwolken, Möbelpoliturtiefdruckgebiete und Schlimmeres sieht er am Firmament heraufziehen. Der chinesische Schiffskoch kommt bei dem Geplapper ganz durcheinander und bereitet versehentlich einen Topf mit Sauerkraut und Schießpulver zu. Als dann der Smutje nach dem Essen Pfeife rauchen will, explodiert sein dicker Bauch. Jetzt sind alle erleichtert. Der Smutje sollte eigentlich erst in zwanzig Jahren auf einer Ranch in der Nähe von Denver von einer herabfallenden Gaslaterne erschlagen werden. Nun wissen sie, dass der Papagei nur Quatsch erzählt und der Küchenjunge nur durch Zufall auf der Bratpfanne ausgerutscht ist und sich das Genick gebrochen hat.

Jun 11

Gruselige Dystopie von Oliver Peters

Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Bei den etlichen ausgeschnittenen Zeitungsartikeln oder bei dem Fotoalbum mit den unzähligen Schnappschüssen von Menschen in seltsamen Klamotten. Vielleicht auch die zahlreichen Magazine, wo längst verstorbene Politiker die Titelblätter zieren oder die Schallplatten mit Liedern, die wie aus einer anderen Welt scheinen. Worum es sich dabei genau handelt, konnten wir manchmal nur anhand des Beipackzettels erahnen, welcher dieser Zeitkapsel beilag.

Unser Vater verstarb vor zwei Wochen. Als wir das Erbe antraten, wussten wir gar nichts von dieser Zeitkapsel. Wir, das sind meine Geschwister und ich. Unsere Mutter verstarb schon lange vor unserem Vater. Und der hatte dieses Zeitdokument verschwiegen. Bis heute.

Das Fotoalbum war zu knapp zwei Dritteln mit Familienbildern gefüllt. Angefangen bei unserem Ur-Ur-Opa zeigen die letzten Bilder unsere Eltern, als sie noch in unserem Alter waren. Da hatte unser Vater noch Haare. Verrückte Zeiten.
Wir fanden auch einige Liebesbriefe, die unser Opa an unsere Oma schrieb. Wer hätte gedacht, dass der so romantische Zeilen zu Papier bringen kann. Unsere Erinnerungen zeigen ihn eher als verschlossenen Typen, der lieber im Hobbykeller werkelte, als mit unserer Oma zu turteln.

Auch wir tauchten hier und da schon auf. Auf Fotos, wo wir in Wäschekörben gebadet wurden oder alte Zeichnungen und Schriftstücke von uns, wie z.B. unsere ersten Briefe. Manchmal dachten wir, das alles sei irgendwie mit der Zeit verschütt gegangen. Dabei bewahrten unsere Eltern es stillschweigend auf, selbst peinlichste Dokumente wie „Ales Guhte zum Muttathag“-Karten. Aber zugegeben … wir mussten auch schmunzeln.

So viele Erinnerungen auf einem Haufen, in einer Kiste. Nun waren wir gefordert. Was wollen wir für unseren Nachwuchs aufbewahren, damit sie unsere Geschichte weitertragen? Weiterlesen »