Dez 24

Degenhardt ist ein alter Draufgänger. Manchmal geht er sogar bei Rot über die Fußgängerampel, um zu provozieren. Deshalb hat er auch zwei Holzbeine. Seine richtigen Beine wurden ihm von einem Sattelschlepper abgefahren, der aus Frankreich nach Dänemark unterwegs war. Der Fahrer kam allerdings aus Niedersachsen und konnte nach einer Operation am Gehirn nur noch Schwedisch sprechen. Deshalb hat er Degenhardt auch nicht ins Krankenhaus gebracht, sondern zu einem Delfinarium. Er konnte einfach nicht verstehen was der Beinlose Mann von ihm wollte. Das hatte auch sein Gutes. Im Delfinarium zahlen nämlich Menschen mit Handicap nur die Hälfte.

Okt 26

Ludwig ist Busfahrer. Er fährt die Linie 303 bereits seit vielen Jahren und beherrscht sie im Schlaf. Im Schlaf? Ach was, er würde die Line 303 sogar noch fahren, wenn er tot wäre. Gerade steigt eine ältere Dame zu und fragt nach einem Ticket. Ludwig knurrt sie an, so dass die greise Frau erschrickt und sofort wieder aus dem Bus springt. Die übrigen Fahrgäste wissen, dass er ein Zombie ist und fühlen sich durch seinen Geruch und das Knurren nicht belästigt. Auch sie fahren beinahe jeden Tag mit dem Bus und beachten Ludwig wenig. So entgeht ihnen auch, dass er heimlich an Damenunterwäsche schnüffelt. Wo er diese herbekommt, weiß niemand so genau, aber er hat eine ganze Kiste davon, die neben seinen Füßen steht und darauf wartet, durchwühlt zu werden. Doch eines Tages wird die Geschäftsleitung auf ihn aufmerksam. Das liegt nicht etwa daran, dass er stinkt als ob ein toter Steinmarder im Lüftungsschachtschacht verrotten würde, nein, viele Busfahrer müffeln und man mag sich fragen, ob es vielleicht sogar ein Einstellungskriterium ist. Vielmehr liegt es daran, dass die Kiste die ganze Zeit auf der Kupplung gestanden hat und der Bus nun ein neues Getriebe braucht. Ludwig wird eine neue Linie zugeteilt bei der er sich prompt verfährt und in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Wanne-Eickel, das weit ab von seiner Route liegt, in einer engen Gasse stecken bleibt.

Sep 10

Es geht nichts über ein perfektes Verbrechen
Ron hat zum Geburtstag einen Zitteraal bekommen. Das ist ein tolles Geschenk für einen Sechsjährigen. Jetzt kann er endlich mit seinem Hamster „Elektrischer Stuhl“ beziehungsweise „Elektrisches Schwimmbad“ spielen. Leider ist der Hamster schon beim ersten Spiel vollkommen bewegungsunfähig, ja unter Umständen sogar tot. So ein Zitteraal kann nämlich selbst einen ausgewachsenen Bullen umhauen. In diesem Moment kommt auch schon Rons Vater nach Hause. Er ist Polizist und wundert sich über den neuen Fisch im Aquarium seines Sohnes. Als er danach greifen will bekommt er einen Schlag und fällt zu Boden. Endlich kann der Geliebte seiner Frau aus dem Schrank herauskommen. Es scheint als ob sie alles richtig gemacht hat, da ruft der Geliebte: „Ein Wunder, er lebt.“
Rons Mutter wird kreidebleich und springt aus dem Fenster. Doch ihr Geliebter meinte nicht ihren Mann, sondern den Hamster.

Mrz 01

Angelina Jolie ist auf der Rolltreppe hingefallen und hat sich zwei Zähne abgebrochen. Da sie in Deutschland nicht versichert ist, zieht ihr der Zahnarzt alle Zähne und setzt ihr stattdessen – gratis – ein Fangeisen für Bären ein. Die Zähne versteigert er an Fans, die von Angelinas Unglück in der Zeitung gelesen haben. Doch das Geschäft ist nicht besonders lukrativ. Mit der Bärenfalle in der Fresse setzt die Hollywood-Diva nämlich einen neuen Trend und Zähne sind plötzlich out. Jeder will die glänzenden Metallkauleisten im Mund haben: Polizisten, Kampfhunde, Kindergärtner, japanische Geishas und sogar der ehemalige Papst. Sie sind ja auch ungeheuer praktisch. Man kann Konservendosen mit dem Mund öffnen und braucht sich nie die Zähne putzen. Nur Flavor Flav kann dem nichts abgewinnen. Als er als Einziger so rumlief, wollte niemand so aussehen. Die Gesellschaft ist einfach oberflächlich und unterschwellig rassistisch. Manche Minderheiten werden immer noch stärker diskriminiert als andere. Das merkt man auch daran, dass es Frauen- und Behindertenparkplätze gibt, aber keine für Zigeuner und Schwule.