Nov 11

Lieber Joseph,

Du hattest schon immer ein Herz für Tiere. Würde ich glatt auch über mich behaupten, doch irgendwie haben derartige Aussagen einen bitteren Beigeschmack. Meist sind Leute, die „besser mit Tieren“ zurecht kommen, schlicht und einfach Opfer einer Sozialphobie.
Soll natürlich nicht bedeuten, dass alle Hundestreichler, Katzenkrauler und Schlangenschmücker total unfähig seien, es auch nur zwei Minuten mit anderen Menschen in einem Raum auszuhalten. Jedoch merkt man schnell, wenn jemand hauptsächlich mit Lebewesen kommuniziert, welche Widerworte nur in der Form von Schnurren, Bellen oder Nase wackeln hervorbringen. Sollte man dann noch die Schlafstätten tauschen oder sich gar selbst auf allen Vieren vorwärts bewegen, übertreibt man es eventuell mit der Zuneigung.

Apropos Tiere. Ein enger Freund hat derzeit ein Frauenproblem. Nicht, dass ihm die Ehefrau oder Freundin Probleme bereitet. Es ist vielmehr so, dass ihre konsequente Abstinenz für Verdruss sorgt. Soll bedeuten, dass er diese Dame noch nicht mal kennengelernt hat.
Ich riet ihm, sich einen Hund zu besorgen. Zum einen wäre er auch so ein Typ, der zum Jux die Schlafstätten tauschen würde und zum anderen würde er so definitiv mit der einen oder anderen Hundestreichlerin ins Gespräch kommen – selbst, wenn es nur um die Entsorgung von Hundescheiße geht. Was denkst Du, lieber Joseph? Du hattest ja damals selbst mit Kojoten rumgehangen und ihr beiden wurdet „Best Buddies“, auch wenn sie Dich am Ende in einem Krankenwagen nach Hause fuhren.

Aber so ist das wohl im Spiel der Liebe. Man macht sich zum Affen und muss erst einmal lernen, sich selbst zu lieben, damit andere auch auf die Idee kommen. Sich selber Gassi führen oder mal an die Leine legen. Vielleicht haben die Tierliebhaber am Ende keine Sozialphobie, sondern wissen einfach, dass es vom Tierreich noch viel zu lernen gibt. Oder liebe das Leben an sich … und das Leben liebt Dich.
Aber da war noch etwas, was mir schon länger unter den Nägeln brannte.
Stank die Kojotenpisse nicht unerträglich?

Miau!
Dein Oliver

Eine Antwort zu “Briefe an Beuys | Kojotenknuddeler”

  1. sprachvehler sagt:

    Überraschend.
    Und gut. Sehr gut sogar. Doch wer fragt mich schon?

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